Montag, 2. Februar 2015

Paradies, oder etwa doch nicht?

Objektiv gesehen und verglichen mit dem Rest unseres Globus' leben wir doch eindeutig und diskussionslos im Paradies. Auch wenn es immer mehr Working Poor gibt, es verhungert niemand, es erfriert niemand, die Kriminalität hält sich sehr in Grenzen. Und trotzdem beschleicht mich immer öfter das Gefühl, dieses Paradies zu verlieren.





Wie oft höre ich von beinahe unmenschlichen Verhaltensweisen im Berufsleben, wie oft frage ich mich, wo um Himmel's Willen der Respekt gegenüber unserer Mitmenschen geblieben ist. Wie oft höre ich von Vorgesetzten, die sich einen Deut um die Würde ihrer Untergebenen (ich benutze dieses Wort absichtlich) scheren, denen es nur um den Ausbau ihrer Macht geht. Oder ums Aufpolieren ihres Egos, oder um das Höhersteigen auf der Karriereleiter, ohne Rücksicht auf Verlust oder darauf, dass sie doch immerhin von Menschen umgeben sind, die einen respektvollen Umgang verdienen. Und die nicht zuletzt auch einen Teil des Erfolgs ausmachen.

Wieso können wir nicht einfach geniessen, was wir erreicht haben? Damit meine ich nicht, dass wir uns zurücklehnen und uns auf den Lorbeeren ausruhen. Ich meine, dass wir uns weiterhin motiviert einsetzen für unsere Arbeit, in die Zukunft schauen, aber dass wir auch schätzen, was unsere Mitmenschen, unsere Mitarbeitenden, leisten, dass wir nicht ausschliesslich nur unseren eigenen Vorteil im Auge haben und verfolgen. Dass doch eigentlich unser höchstes Ziel sein sollte, dass es uns allen gut geht. Es ist mir bewusst, dass es Hierarchiestufen braucht, dass jemand Chef sein und in dieser Funktion auch Verantwortung übernehmen, unliebsame Entscheidungen fällen muss. All dies kann man aber in den allermeisten Fällen auch so durchsetzen, dass niemand sich wertlos oder degradiert fühlt.

Ich meine damit auch nicht, dass man sich an den Händen halten muss, oder Bäume umarmen geht. Ich wünsche mir ganz einfach einen wertschätzenden Umgang, ganz egal ob es sich um den Chef oder den Mitarbeitenden handelt, ganz egal welche Nationalität jemand hat, ganz egal ob Mann oder Frau, jung oder alt, schnell oder langsam, mit gutem oder schlechtem Lohn, hübsch oder nicht. Es würde uns als Gesellschaft doch viel besser gehen, denn ich hoffe doch, dass sich diejenigen, die ihre Mitmenschen nicht schätzen, in ihrer Haut auch nicht so richtig wohl fühlen. Würden sie Wertschätzung und Fairness zeigen, wäre allen gedient. Warum also nicht? Warum soviel Neid und Missgunst, Machtgehabe? Warum können wir nicht wie erwachsene Leute diskutieren und so Lösungen finden, die, wenn nicht für alle passend, doch zumindest für alle Beteiligten nachvollziehbar sind? Ich verstehe es nicht, und fühle mich zunehmend unwohl, je häufiger ich miterlebe, wie meine Mitmenschen behandelt werden. 

Oft möchte ich gar nicht mehr Teil dieses Systems sein, auch wenn es uns gut geht. Denn es geht mir zwar im materiellen Sinn gut, aber menschlich gesehen schätze ich das mittlerweile anders ein. Nur, gibt es eine Lösung? Im eigenen Umfeld kann ich versuchen respektvoll zu handeln, auf die Würde meiner Mitmenschen achten und nicht auf ihnen herumzutrampeln. Aber den Umgang anderer kann ich nicht beeinflussen, und auch wenn es mich nicht selber betrifft, kostet es unendlich viel Energie von den Ungerechtigkeiten zu hören und machtlos zusehen zu müssen. Gute Ideen sind gefragt, und ja, das mit der Schokolade habe ich schon versucht, hat nichts genützt (ausser der Migros).

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