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Mittwoch, 26. Februar 2014

Kleine Alltagsfreuden - grosse Lebensfreude



Kleine Freuden des Alltags: Eigentlich sind sie die grossen Freuden, die das Leben erst lebenswert machen. Sie versüssen den Tag, in kurzen Abständen, immer mal wieder funkelt ein Moment, der mich zum Lachen bringt, mich beruhigt, mich freut oder mich ganz einfach zufrieden dasitzen lässt.

Es braucht nicht viel für einen solchen Moment: Das Lächeln eines fremden Menschen, der mir irgendwo auf der Strasse begegnet, die Sonnenstrahlen, die mir das Gesicht wärmen, der Geruch von Frühling, der in der Luft liegt, ein blinkender Ampelmann. Gestern Nachmittag sass ich mitten in Berlin an der Sonne, bei sagenhaften 15 Grad im T-Shirt. Ich hatte ein gutes Buch dabei, vor mir stand ein Glas Tee. Der Duft von frischer Pfefferminze, das leicht Säuerliche der Limonen, eine etwas scharfe Ingwer-Note und die Süsse des Honigs, dazu die Sonne im Gesicht, was für ein Glück!

Heute Morgen ging ich, einmal mehr ausgerüstet mit einem Lernheft, in mein italienisches Lieblingscafé, und wurde herzlich begrüsst, der Cappuccino kam, ohne dass ich ihn bestellen musste, begleitet von einem freundlichen Lächeln. Nein, es braucht wirklich nicht viel für diese Momente des Glücks, nur sehen muss man sie, dann begegnen sie einem überall und immer wieder.

Nun liegt wieder ein Besucherwochenende vor mir, das letzte. Ich freue mich sehr auf meinen Besuch und darauf, die Stadt zeigen zu können, zu wissen, wo die meiner Ansicht nach lohnenden Plätze sind, und auch zu wissen, wohin ich meine Besucher ganz sicher nicht führe (zum Beispiel ins berühmt-berüchtigte Wurst-Museum). Ein bisschen schwermütig bin ich, weil es wirklich mein letztes Wochenende in Berlin ist, aber ich freue mich auch sehr auf mein eigenes Zuhause, mein Umfeld, meine neue Stelle. Und es bleiben mir immerhin noch ganze acht Tage, die ich für weitere Stadterkundungen nutzen werde.

Nach meinem Wochenend-Besuch aus der Schweiz reist mein Vater an, natürlich wie üblich mit dem Wohnwagen im Schlepptau (nicht, dass er nicht bei mir in der Wohnung wohnen dürfte). Er logiert in Spandau, einer der wenigen Campingplätze in Berlin, die im März schon offen sind. Dass er mich besuchen kommt, ist natürlich nicht nur schön, sondern auch sehr praktisch. Ich kann ihm all mein Gepäck mitgeben, statt es mühsam mit nach Hause zu schleppen. Verantwortlich für das Mehrgepäck ist vor allem der Ampelmann, der hat es mir einfach angetan (ja, ich bin wohl ein einfaches Gemüt, statt auf Berliner Kultur stehe ich auf die rot-grünen seltsamen Figuren).

Die sonstigen Shopping-Musts habe ich ziemlich schnell abgehakt: KaDeWe hat mir die Haare zu Berge stehen lassen und die totale Reizüberflutung ausgelöst, dasselbe am Kurfürsten-Damm. Diese Gegenden lasse ich nun gerne aussen vor und bin  heilfroh, dass ich im vergleichsweise ruhigen und gemütlichen Schöneberg wohne, ohne internationale billig-Shopping-Ketten (eine davon heisst McGeiz, mich schaudert!) oder Starbucks-Filialen.

Jetzt aber weg von Starbucks hin zu meinem Plan für heute: Nachdem ich vor ein paar Tagen mit dem Zug (ich glaube, es war eine S-Bahn, über- und unterirdisch) rund um die Stadt gefahren bin, möchte ich nun im Norden aussteigen und zum Zentrum wandern. Die Stadtrundfahrt mit dem Zug lohnt sich sehr, es gibt tatsächlich einen Schienenring, der sich um die ganze Stadt legt, die Fahrt rundherum dauert es etwas mehr als eine Stunde. Man kann sogar wählen, ob man links- oder rechtsherum fahren möchte (das war eine schwierige Entscheidung, da ich genau im Süden des Rings stand und ursprünglich in den Norden wollte). 

Zwar ist die Innenstadt meist nicht gut sichtbar, dafür Dinge und Gegenden, die man als Berlin-Besucher sonst nicht zu sehen bekommt. Die weniger schönen, grauen, schmutzigen Wohngebiete, die förmlich nach Armut und Kriminalität riechen (vielleicht irre ich mich mit diesem Eindruck, ich hoffe es), aber auch Energiewerke hautnah, Firmengelände so gross wie ein Schweizer Dorf, Schrebergärten soweit das Auge reicht, neue farbenfrohe Wohnsiedlungen und endlose Grünanlagen.  Jetzt klebe ich aber erstmal die abfallenden Schuhsohlen neu an, bevor es losgeht in den Stadt-Dschungel, mit offenen Augen, um die hinter den Häusern hervorzwinkernden Glücksmomente nicht zu verpassen.


Sonntag, 16. Februar 2014

Weiter bilden oder weiter laufen?


Nachfolgend ein kleines gedankliches Experiment:

Stellt euch vor, ihr möchtet Autofahren lernen. Ihr kauft euch ein 600 Seiten dickes Buch und arbeitet es akribisch durch. Danach bucht ihr einen 5-wöchigen Intensivkurs, der euch aufs Autofahren vorbereiten soll. Ihr sitzt im Kurs und stellt fest, dass haargenau dasselbe Wissen vermittelt wird wie im Buch, das ihr Zuhause als Vorbereitung (freiwillig und nicht auf Empfehlung des Kursanbieters) gelesen habt. In jeder Lektion wird fast wörtlich dasselbe wiederholt, das auch im Buch steht, die Handouts, die verteilt werden, sind Kopien aus eben diesem Buch. Schönes Pech, oder? Und sehr langweilig, fünf Wochen das zu hören, was ihr bereits gelesen habt. Hinzu kommt, dass ihr Autofahren ja nur richtig lernt, wenn ihr praktische Erfahrung sammelt, ein Buch lesen alleine reicht nicht. Aber auch die praktische Anwendung wird nicht wirklich vermittelt im Kurs. Was also macht ihr?

Genau, den Kurs nicht mehr weiter besuchen. Darum sitze ich nun in Berlin und habe zum ersten Mal im Leben eine Weiterbildung nicht fertig gemacht. Das ist einerseits ein sehr seltsames Gefühl, andererseits aber auch befreiend. Nun kann ich die kommenden Wochen für mein Fernstudium nutzen und gleichzeitig Kilometer um Kilometer die Stadt erkunden. Eigentlich eine paradiesische Situation, mal abgesehen vom Frust betreffend Weiterbildung, den ich jedoch bereits am Abbauen bin.
 
Übers Wochenende begegneten mir, nebst den Gedanken, die ich mir zu meiner Weiterbildung resp. deren Abbruch, gemacht habe, viele spannende und positive Situationen, Bilder, Eindrücke, Gerüche und Menschen. Ich war stundenlang zu Fuss unterwegs (öV habe ich noch keine benutzt, damit warte ich bis mein erstes Paar Schuhe keine Sohlen mehr hat), immer mal wieder hat mich der Fernsehturm von einer anderen Seite angezwinkert. Trotz Wolken am Samstag und Sturm am Sonntag habe ich diese Streifzüge sehr genossen, ab und zu musste ich auch mal stehenbleiben und lauthals lachen, zum Beispiel an der Postdamer Strasse, nicht weit vom Potsdamer Platz entfernt. Da schaue ich zur gegenüber liegenden Strassenseite und sehe 3 Firmennamen, in exakt dieser Reihenfolge:

Löffelei – Bestattungsunternehmen – Ave Maria

Ich gebe also den Löffel ab (das ist übrigens ein Suppenrestaurant, das ich aus naheliegenden (Ab)Gründen nicht getestet habe), danach lande ich im Unternehmen des Bestatters, um gleich darauf einige Ave Marias zu hören (die verkaufen CDs, Bücher und Kerzen einer Sekte). Auch interessant war das unschön geparkte Auto, dessen Motorhaube bis über das Trottoir hinausreichte. Automarke war Audi, Autonummer jedoch „B-MW 123“. Wie das wohl passieren konnte?

Auch an der Kultur kommt man(u) nicht vorbei: das Gruselkabinett lag quasi auf dem Gehsteig (da stieg ich aber elegant drüber hinweg, weil ich sonst Albträume hätte und die nächsten paar Tage zähneklappernd im Bett läge), das Brandenburger Tor mit Reichstag und allem was sich dort sonst noch so trifft, die Landesbibliothek, das Stadt-Archiv, der Tiergarten mit Siegessäule (die wirklich nicht zu übersehen ist), das Museum der Kulturen, etc.
 
Für mich ist auch der Wochenmarkt am Samstagmorgen eine kulturelle Erfahrung mit all seinen Marktständen, an denen Gerichte aus der ganzen Welt gekocht werden, mit Marktbesuchern jeglicher Couleur, mit dem Sprachgemisch und den exotischen Düften, die über dem Platz schweben. Dieselbe Stimmung hat mich auch in den Markthallen am Kreuzberg fasziniert, und ebenso am Berliner Hauptbahnhof. Einfach in einem Café sitzen und das Stimmengewirr auf sich wirken lassen, zuschauen, wie die Menschen auf die Bahn hetzen oder sich etwas zu lesen kaufen, der Diskussion am Nachbartisch zuhören und sich unsicht(hör)bar machen, wenn die Runde auf das Abstimmungsresultat vom vergangenen Sonntag in der Schweiz zu sprechen kommt (häufig so geschehen). Mittlerweile gibt es hier (zu meinem Glück) bereits ein neues heisses Thema, diesmal jedoch ein innenpolitisches, die Schweiz steht also nicht mehr so sehr im Mittelpunkt.

Hier ein paar Impressionen meines Wochenend-Programms, das eindeutig besser war als die Bildqualität:











Mittwoch, 5. Februar 2014

Kulturprogramm Berlin



Im Terminkalender blinkt es mich bereits vorwurfsvoll an: Bald ist es an der Zeit für den online-Check-In nach Berlin. Immer noch liegt mein Koffer auf dem Dachboden, immer noch denke ich lieber an meinen Abflug nach Brasilien vor erst wenigen Wochen. Kurz gesagt – ich bin noch nicht bereit für den Flug Richtung Norden. Immerhin liegen die nötigen Papiere und Dokumente nun endlich neben mir, die ersten Hausaufgaben für meine Weiterbildung sind erledigt, die ersten Gesichter meiner Mitstudenten (nein, natürlich noch nicht eingeprägt) bekannt.

Um noch einmal auf meine Kulturbanausigkeit zurückzukommen: ich verkünde hiermit voller Stolz, dass ich bereits für kommenden Sonntagabend Eintrittstickets für den Reichstag organisiert habe! Unglaublich, was Gruppendruck nicht alles zustande bringt. Immerhin konnte ich in einer harten Verhandlung erreichen, dass wir „nur“ die Reichstagskuppel besichtigen und nicht auch noch die komplette Führung machen, es steht 1:0 für Anti-Kultur (oder müsste man dies eher als 1:1 werten?).

Bleiben wir doch gleich bei Kultur und Museen in Berlin. Es gibt da doch einige Örtlichkeiten, die mich durchaus reizen, und sei es nur ihres Namens wegen: 

- „Berliner Unterwelten-Museum“ (hier sind vermutlich keine U-Boote ausgestellt)
-  „Zuckermuseum“ (setzt sich garantiert nicht auf den Hüften fest)
- „Beate Uhse Erotik- Museum“ (erinnert mich stark an das Ehehygiene-Museum in Dresden) - „Das verborgene Museum“ (perfekt für einen Kultur-Muffel wie mich)
- „Deutsches Curry-Wurst-Museum“ (ein MUST für Vegis)  
- „Deutsches Schweinemuseum“ (dito)
- „Jugend Museum Schöneberg“ (um mich für einen kurzen Moment wieder jung und knusprig zu fühlen)
- „Museum der unerhörten Dinge“ (was es nicht alles gibt!)
- „Sportmuseum Berlin“ (Sport als Kultur, nicht als schweisstreibende Beschäftigung, mal was anderes)
- und zu guter Letzt das „Buchstaben-Museum“ (allenfalls von Knorr oder Maggi gesponsert? Aber ganz sicher einen Besuch wert)

Ich befürchte, dass mir die Zeit davonrennt und ich nicht alle Museen abklappern kann, wer hätte das gedacht! Und die obige Liste ist gleich auch Beweis dafür, dass ich zwar noch nicht reisefertig, aber immerhin doch schon etwas vorbereitet bin.

Weitere Informationen zu den oben genannten Museen liefere ich, sobald ich meinen Fuss tatsächlich in eines dieser Häuser gesetzt habe.

Samstag, 1. Februar 2014

Vorbereitung auf den grossen Kanton


Heute in einer Woche geht’s wieder los, mit Koffern bestückt werde ich mich einmal mehr zum Flughafen schleppen. Diesmal nicht Richtung Südhalbkugel und Familie, sondern mitten in den grossen Kanton, genauer gesagt Berlin. Der Koffer wird um einiges schwerer sein als für meine Brasilienreise, damals packte ich lediglich einige leichte T-Shirts und Sommerröcke. Für Berlin braucht es wohl nicht nur Daunenjacke und Mütze, sondern gestrickte Unterhosen und gefütterte Jeans. Sollte also jemand ein Pirelli-Männchen in Berlin erspähen, das wäre dann ich.

Für ganze fünf Wochen verlege ich nun also meinen Wohnsitz zu den Deutschen, mit denen einige Schweizer ein nicht mehr ganz entspanntes Verhältnis haben. Ich bin sehr gespannt, wie ich mich in Deutschland fühlen werde, als Minderheit mitten unter Berlinern, nicht zu vergessen Touristen und Klein-Istanbul. Da ich davon ausgehe, dass es so zurückkommt, wie man in den Wald ruft, bin ich überzeugt davon, dass ich mich wohlfühlen werde. Nicht die Menschen werden die Herausforderung sein, sondern die Tatsache, dass ich ein ambivalentes (man könnte auch sagen schlechtes) Verhältnis zu Grossstädten habe. Aber es gibt einen Lichtblick:

Mit Hilfe meines guten Freunds google weiss ich nämlich mittlerweile, dass es rund um meine Wohnung unzählige kleine Restaurants gibt, mit Küchen aus aller Welt. Darauf freue ich mich sehr, ich werde mich wohl Meter für Meter Richtung Stadtzentrum futtern, ob dafür die fünf Wochen reichen? Zumal das Essen nicht der Hauptgrund für meinen Aufenthalt ist, sondern eine Weiterbildung. Auf diese sollte ich mich konzentrieren, nicht darauf, wo die gemütlichsten Cafés, die schönsten Parks oder die speziellsten Restaurants sind. Aber schliesslich gehört Lebensfreude zu meinem täglichen Brot, und Lernen löst bei mir nicht unbedingt Lebensfreude aus, im Gegensatz zu gutem Essen und neuen Eindrücken.

Als kultureller Tiefflieger weiss ich jetzt schon, dass ich keinen Museums-Marathon mache, auch plane ich keinen Trip zu sämtlichen Sehenswürdigkeiten, von denen es in Berlin ja nicht wenige zu sehen gibt. Nachdem ich diese kulturelle Anti-Planung in meinem Freundeskreis habe verlauten lassen, wurde ich mit entsetzten Blicken (und Ausrufen) überhäuft. „Aber doch nicht in Berlin!“ oder „Da musst du unbedingt ins Museum X, und zum Tor Y, und zur Mauer Z, und ins KaDeWe, undundund!“. Nein, muss ich nicht. Einigen dieser Dinosaurier werde ich automatisch über den Weg laufen, andere interessieren mich nicht, und vielleicht packt mich unerwarteterweise doch die Lust auf Kultur, wer weiss? Ich lasse mich überraschen.

Auf alle Fälle freue ich mich jetzt schon auf das Abenteuer bei unseren Nachbarn, auf die vielen neuen Begegnungen, die kulturelle Essensvielfalt, die vielen Irrwege, die ich dank meiner Orientierungslosigkeit machen werde und tatsächlich freue ich mich sogar auf meine Weiterbildung. Bis bald aus dem grossen Kanton! (Der nächste Blog entsteht aber sicher noch im weissen Kreuz mit roter Umgebung.)