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Montag, 16. November 2015

Es weihnachtet sehr



Es weihnachtet sehr, auch wenn es draussen noch warme 18 Grad hat. In den Läden hängt seit Wochen die Weihnachtsdekoration, in der Marktgasse in Winterthur ist die Weihnachtsbeleuchtung bereits startklar, nur ich bin noch weit weg von einer weihnächtlichen Stimmung.


Nachbars sei Dank aber kann meiner fehlenden Stimmung Abhilfe geschaffen werden. Heute nach dem Abendessen nämlich, als ich nichts ahnend die Teller in die Küche zurückgetragen habe, schimmerte ein starkes blaues Licht durch die Eingangstür (irgendwie erinnerte es mich spontan an das blaue Präventions-Licht, das in öffentlichen Toiletten das Fixen verunmöglichen soll). Leicht irritiert deponierte ich das Geschirr auf dem Herd und öffnete die Türe, um dem seltsamen Licht nachzugehen. Tatsächlich, die Nachbarn haben Weihnachtsdeko aufgehängt! Und nicht nur aufgehängt, nein, sie ist auch schon voll in Betrieb!
Ich bin noch immer sprachlos, und gehe davon aus, dass ich die kommenden sieben Wochen im Schlafzimmer kein Licht mehr brauche, sprich, dass wir massiv Strom sparen können.



Seltsam, wie zwar diese Beleuchtungen immer mehr als energiefreundliche LED-Lichter daherkommen, aber sparen wir wirklich Strom, wenn wir die Weihnachtsbeleuchtung dafür statt vom 1. bis 24. Dezember nun von Mitte November bis Mitte Januar durchgehend aktivieren? Ich bin äusserst versucht nachzufragen, ob die Kinder denn nun auch einen sieben Wochen dauernden Adventskalender bekommen? Denn das wäre ja nur konsequent und fair, nicht wahr? Selbstverständlich werde ich nicht fragen, ich bin ja schliesslich froh, dass die Beleuchtung nur schlicht blau schimmert und nicht im Sekundentakt die Farbe wechselt und Blitze versprüht (alles schon vorgekommen hier in Wiesendangen). Zudem ist mir ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis wichtig.


Bin ich böse mit meinen Bemerkungen zur Beleuchtung? Ja, natürlich. Andererseits habe ich tatsächlich immer weniger Verständnis für die immer länger werdende Vorweihnachtszeit, die mittlerweile Spätsommer-Frühherbst-Mittelherbst-Spätherbst-Frühwinter-Vorweihnachts-Adventszeit-Neujahrszeit heissen müsste. Und während wir das ganze Jahr über von Energiesparen reden, geht in dieser Zeit jeweils alles wieder vergessen. Es gibt Statistiken, die aufzeigen, wieviel Energie während der Weihnachtszeit für Beleuchtung verwendet wird, und ich traue mich nicht wirklich, sie mir genauer anzusehen, weil ich danach garantiert Alpträume hätte. 
Ich muss sagen, dass ich das NICHT gewusst habe. Muss mir nun ernsthaft Gedanken über mein
intensives Verhältnis mit Mister Guugel machen. Hätte ich bloss nicht geguugelt!
Natürlich gehöre ich selber genauso zur „Ach-wie-schön-sind-Lichter-doch-wenn-es-draussen-dunkel-und-kalt-ist“-Gruppe, aber ich versuche das auf ein Minimum zu beschränken. Merry Christmas and happy New Year! Äh, äxgüsi, natürlich Happy Herbst…
...das wäre dann die wirklich coole Alternative...

Montag, 6. Oktober 2014

Dunkel wars, der Mond schien helle…



Genau, dieses Gedicht von einem unbekannten Dichter fällt mir fast jeden Abend wieder ein. Die Strassenlampen, die unsere Strasse beleuchten sollten, beleuchten sie nicht nur, sondern begrellen (neues Wort für die Wortschatzkiste) sie. Die Lampen sind so hell, dass ich problemlos nachts auf dem Weg vom Bahnhof zu unserem Haus ein Buch lesen könnte. Einziges Problem ist mein Multitask-Antitalent, das dafür sorgen würde, dass ich ganz sicher in jeden einzelnen Lampenpfosten knalle, wäre ich lesend und gleichzeitig laufend.
(oder vielleicht kann ich's doch?)
Verschiedene Aspekte dieser Begrellung sind meiner Ansicht nach störend. Erstens muss ich nachts einen dicken Vorhang ziehen, damit es überhaupt einigermassen dunkel wird im Zimmer. Das ist in drei von vier Jahreszeiten nicht so schlimm, im Sommer hingegen habe ich die Wahl zwischen einem dunklen, stickigen Zimmer und einem hellen, gelüfteten. Dunkel UND gelüftet ist unmöglich. Sollte es irgendeinen Grund geben, dass die Strasse tatsächlich so hell beleuchtet sein muss, könnte man die Lampen zumindest weniger hoch montieren, so dass sie nicht in jedes Schlafzimmer leuchten.

Zweitens sind die Dinger mit uralten Leuchtmitteln bestückt. Warum nimmt der Kanton nicht LED? Das wäre deutlich viel sparsamer, günstiger für den Steuerzahler und ebenso effizient (und soooo effizient muss es ja gar nicht sein).

Drittens ist es in einer schönen Sommernacht praktisch unmöglich, ohne Sonnenbrille im Garten zu liegen. Auch hier habe ich wieder die Wahl: Ich liege MIT Sonnenbrille im Liegestuhl, werde nicht geblendet, sehe dafür aber die Sternschnuppen nicht. Oder ich liege OHNE Sonnenbrille im Liegestuhl, und sehe auch keine Sternschnuppen, weil ich die Augen schliessen muss, um nicht geblendet zu werden. Klingt doch sehr nach einer lose-lose-Situation, nicht wahr?

Schon lange habe ich mir vorgenommen, dem Kanton (es ist eine Kantonsstrasse) ein Mail zu schreiben und ihn auf meine Sonnenbrillen-Problematik aufmerksam zu machen. Ob das etwas nützt? Ich weiss, dass es viele Menschen in unserer Strasse gibt, die sich an der Helligkeit ebenso stören, und die ihre Räume ebenso verdunkeln müssen. 

Hat diese Licht-Beschallung allenfalls auch einen Vorteil? Ich könnte Strom sparen (dessen Verschleiss ich zwar in Form von Steuern doch auch wieder bezahle), weil ich abends kein Licht machen muss, wenn ich lesen möchte. Ganz praktisch! Nur frage ich mich dann, weshalb wir ökologie-bewusst im ganzen Haus LED-Lampen montiert haben, wenn vor unserem Haus vier (!!) sehr unökologische Strassenscheinwerfer brennen. Die ganze Nacht! 

Da bin ich schon beim nächsten Punkt: Die Möglichkeit, auf der Strasse zu lesen, besteht zu fast allen möglichen und unmöglichen Zeiten. Unter der Woche (diese dauert von Sonntag bis Mittwoch) wird man zurzeit in Wiesendangen von  abends um 19.00 Uhr bis morgens um 00.30 Uhr erleuchtet, von Donnerstag bis Samstag sogar ohne Unterbruch. Warum fällt mir hier spontan der Begriff "Lichtverschmutzung" ein?

Nun gut, genug gejammert. Der absolut schlagende Vorteil der Wiesendanger Strassenbeleuchtung ist nämlich, dass ich nie, aber auch gar nie, alleine auf der Strasse bin, wenn ich abends erst nach Einbruch der Dunkelheit zurückkehre. Immer ist mindestens einer meiner Schatten vor oder hinter mir, manchmal auch zwei (unabhängig vom Alkoholisierungsgrad meinerseits). Das ist doch ein sehr beruhigendes Gefühl. UND regelmässig hauchen mich diese Laternen poetisch (sprich: pöötisch) an. Zum Schluss zur Beflügelung der Lyriker (sprich: Lüüriker) unter den Lesenden noch das ganze Gedicht:

"Dunkel war’s, der Mond schien helle,
schneebedeckt die grüne Flur,
als ein Wagen blitzeschnelle,
langsam um die runde Ecke fuhr.

Drinnen sassen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschoss’ner Hase
auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Ein blondgelockter Jüngling
mit kohlrabschwarzem Haar
sass auf einer grünen Kiste,
die rot angestrichen war.

Neben ihm ’ne alte Schrulle,
zählt' kaum erst sechzehn Jahr,
in der Hand ’ne Butterstulle,
die mit Schmalz bestrichen war." (unbekannter Autor)